Horse-in-Balance

Meine Zeit als Working Student in Kanada
Anfangs September 2007 reiste ich nach Kanada, um als working student auf einer Pferderanch zu arbeiten. Zunächst war ich halbtags für die Kinderbetreuung zuständig und half im Haushalt mit. Die zweite Tageshälfte verbrachte ich mit Ranch Arbeiten, dem Kennenlernen des Parelli Programms, Zuschauen beim Jungpferdetraining und Zeit mit dem mir zugeteilten Pferd Shecana. Bereits nach 2 Wochen konnte ich das damalige Level 1 abschliessen und durfte sogleich beim Level 2 Kurs mit Don Halladay teilnehmen. Kurz darauf konnte ich auch dieses erfolgreich abschliessen. In dieser Zeit bekam ich noch ein zweites Pferd zugeteilt - die Stute Finessa, welche aufgrund einer Verletzung, die sie sich in ihrer Jungperdezeit zugezogen hatte, nicht verkauft wurde. Finessa war für mich ein ganz besonderes Pferd, denn sie war zu Beginn alles andere als einfach und so durfte ich viel von ihr lernen. Mit Finessa konnte ich das alte Level 2 ein zweites Mal abschliessen und mein Grundlagen Wissen somit vertiefen.
Gleich zu Beginn meines Aufenthalts in Kanada arbeitete ich bei zwei Cattle Drives auf benachbarten Ranches mit. Zuerst ritten wir einige Stunden ins Tal hinein, dann suchten wir die Kühe und trieben sie aus dem Tal hinaus. Die Tage im Sattel waren zwar lang, aber auch sehr schön.
Das Ranch Leben gefiel mir sehr und ich beschloss länger als die vereinbarten 6 Monate zu bleiben. Ich wollte noch mehr lernen und aktiv beim Jungpferdetraining mithelfen. Das Jungpferd Sarg, war eines der ersten, welcher ich gemeinsam mit Buddy für den Verkauf vorbereitete und der Interessentin vorstellten durfte.
Einer meiner liebsten Momente im Tag war es, die Herde am Abend von der Tageskoppel hinaus in die Weite zu lassen. Das Gelände war an drei Seiten durch Zäune begrenzt; die vierte Seite blieb zum Berg hin offen, sodass die Pferde sich dort frei bewegen konnten.
Zwischen Oktober bis Ende Januar lebte ich allein mit der Familie auf der Ranch und zog für diese Zeit vom HenHouse ins Familienhaus, wo sich auch der Aufenthaltsraum und die Küche für uns working students befanden. Geheizt wurde auch im Familienhaus mittels eines Feuers und so gehörte Holzhacken und einfeuern zum alltäglichen Ablauf. Ich verbrachte viel Zeit mit der Familie und obwohl es zwischendurch auch mal einsam sein konnte, möchte ich diese besondere Zeit nicht missen! Die Ranch lag sehr abgelegen: der nächste winzig kleine Laden war 20 Minuten Fahrzeit, die nächste Stadt 4 Stunden entfernt.
Der Winter war eine besondere Zeit auf der Ranch, Temperaturen die locker mal -30 Grad erreichten, zeitweise Schnee so tief, dass die Pferde bis zum Bauch drin verschwanden, etliche Stromausfälle, Schneestürme, Pferde, die aussahen wie flauschige Teddybären, ein wunderbarer klarer Sternenhimmel, Mondschein so hell, dass der Schnee richtig leuchtete. Kurz gesagt: kalt, kalt, kalt aber wunderbar!
In dieser Zeit lernte ich sehr viel von Buddy und Devanee. Ein sehr schönes Erlebnis war, als ich die Stute Lola mit Hilfe von Devanee einreiten durfte und sie war danach auch mein erstes - nur mir - zugeteiltes Trainingspferd.
Ende Januar kamen nach und nach weitere working students dazu. Einige blieben kurz, andere länger. In besonders toller Erinnerung bleibt mir die Heufütterung der Pferde mit dem Traktor und die Ausritte im Schnee, bei denen uns die Herde begleitete.
Gegen Ende der Winterzeit bekam ich immer mehr Pferde fürs Training zugeteilt (viele der ganz jungen Pferde, durften in der Winterzeit nochmals frei sein). Mit einigen arbeite ich nur für ein paar Wochen, um sie für potenzielle Käufer vorzubereiten und mit anderen länger. Ein besonderer Moment für mich war, als ich Phoenix zum ersten Mal reiten durfte. Er wurde im Sommer zuvor eingeritten und wurde nach kurzem Training in die Winterpause entlassen. Phoenix war äusserst sensibel und zu Beginn drückte sein Araber Anteil deutlich durch. Trotzdem war ich sofort von seinem Wesen fasziniert und wünschte ihn mir als Hauptlevel Pferd. (Jeder von uns working students, bekam für die kommende Sommerzeit ein Levelpferd zugeteilt, mit dem wir das Level 3 Development Programm mit vielen Kursen durchlaufen durften.)
Zunächst erarbeitete ich auch mit Lola und Phoenix das alte Level 2. Dies war auch Teil des Marketings, da die Pferde dann mit ihrem "Parelli Diplom" zum Verkauf angeboten wurden, was sehr gefragt war.
Nach dem langen Winter war es schön zu sehen, wie die Natur rundum zum Leben erwachte: Jungbären waren unterwegs, Fohlen kamen auf die Welt, weitere Cattle Drives standen an und die Tage waren endlich wieder länger.
Mit dem Sommeranfang brachten wir einen Teil der Pferde ins Raush Valley, wo sie unter fast wilden Bedingungen lebten. Hin und wieder besuchten wir die Herde auf ausgedehnten Tagesritten.
Die Herde, die beim Haus lebte, musste jeweils am Morgen wieder auf die Tagesweide hineingeholt werden. Teils holten wir die Herde zu Fuss, da nahmen wir jeweils ein Halfter mit, halfterten je ein Pferd auf, sprangen auf und trieben den Rest heimwärts. An anderen Tagen hatten wir das Glück und ein Teil der Herde war bereits zurück, so dass wir auf dem Pferderücken den Rest suchen konnten. Dann wiederum gab es auch Tage, da war die ganze Herde unauffindbar. An diesen Tagen zogen wir mit dem Quad los. Es galt frische Hufspuren zu suchen und diesen, sowie den frischen Pferdeäpfeln zu folgen. Manchmal fuhr man ein gutes Stück den Berg hoch, nur um dann von oben zu sehen, dass die Herde auf Zwischenwegen, die mit dem Quad nicht fahrbar waren, bereits auf dem Weg nach unten war. Auch die Herde, die "across the highway" lebte, liebte solche Spiele. Das Gelände befand sich im Wald mit mehreren grossen Lichtungen. Manchmal fuhr man die ganze Runde mit Waldstücken und Lichtungen ab, nur um die Herde schlussendlich beim Eingangstor anzutreffen. An den Kurstagen konnte es schon mal sein, dass wir etwas in Zeitnot gerieten, weil das ein oder andere Kurspferd noch auf Wanderschaft war.
Die Zeit ging schnell vorbei: viele Kurse und dazwischen trainierten wir fleissig, sammelten Videomaterial für die Promotion Videos und für die Parelli Levelabnahme und erledigten allerlei Arbeiten auf der Ranch.
Ich bin äusserst dankbar, dass ich diese wundervollen 13 Monate in Kanada erleben durfte und auch Jahre danach, denke ich oft an diese Zeit zurück.




















































































